Coto de Doñana droht Verlust des Weltnaturerbe-Status

WWF
Flamingos im Nationalpark Coto de Doñana. (Foto: WWF)

Zürich – Der spanische Nationalpark Coto de Doñana könnte seinen Platz auf der Liste der Unesco-Weltnaturerben verlieren. Illegale Brunnen und industrielle Landwirtschaft um den Nationalpark haben dazu geführt, dass das Feuchtgebiet massiv ausgetrocknet ist. Es braucht eine unmittelbare Kehrtwende, um ökologische, ökonomische und soziale Verluste zu vermeiden, zeigt eine neue Studie des WWF.

Der Nationalpark Coto de Doñana wird schlecht geführt und trocknet aus. Dabei ist das Weltnaturerbe im südlichen Spanien eine Stütze der regionalen Wirtschaft und bietet Lebensraum für über sechs Millionen Zugvögel und den stark gefährdeten Iberischen Luchs. Doch Wasserübernutzung, Vergrösserung des Flussbettes, Rohstoffgewinnung und Gasspeicheranlagen sind verantwortlich, dass das Feuchtgebiet austrocknet, zeigt eine neue für den WWF erarbeitete Studie.

Wasserzufluss um 80% gesunken
Die intensive Landwirtschaft und Gewässerkorrekturen führten zu einem 80-prozentigen Rückgang des Wasserzuflusses ins Feuchtgebiet. Dafür mitverantwortlich sind schätzungsweise 1000 illegale Brunnen und 3000 Hektar illegal bebauter landwirtschaftlicher Flächen, die der Doñana das Wasser entziehen und die allesamt geschlossen werden müssen, folgert die Studie. Die Pläne, den Guadalquivir Fluss weiter auszubaggern, um den Zugang für Fracht- und Kreuzfahrtschiffe zu erhöhen, könnte der Auslöser dafür sein, dass die Unesco das Schutzgebiet im Juni 2017 auf die Liste der Weltnaturerbe in Gefahr zu setzt.

Weltnaturerbe in Gefahr
Die Doñana ist durch verschiedene internationale Vereinbarungen geschützt – unter anderem dem Unesco Weltnaturerbe (siehe Box). Die spanische Regierung aber hat es verpasst, das Gebiet vor schädlichen industriellen Aktivitäten zu schützen und einen Wasser-Managementplan zu erstellen, welcher den Schutz des Feuchtgebietes und der Flussmündung sicherstellt. «Die Doñana ist an einem Scheideweg angelangt», sagt Juan Carlos del Olmo, CEO des WWF Spanien. «Löst die spanische Regierung die international gemachten Schutzversprechen nicht ein, gibt es kein Zurück mehr. Dann haben wir die beschämende Situation, dass unser bekanntestes Weltnaturerbe als in Gefahr gelistet wird.»

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts verlor das Feuchtgebiet Coto de Doñana 80 Prozent seiner Fläche. Die illegale und nicht nachhaltige Wassernutzung liess die Biodiversität stark schwinden und Lagunen austrocknen. Diese Schäden wirken sich auch auf Arbeitsplätze und Einkommen der stark vom Erdbeeren-Anbau geprägten Region aus.

«Die Doñana zu schützen ist nicht nur ein nationales Anliegen», sagt del Olmo. «Dieser Schutz hat internationale Bedeutung. Die Doñana gehört zu den wichtigsten Feuchtgebieten weltweit – sie bietet Millionen von Vögeln und bedrohten Arten Zuflucht. Sie ist der Stern unter den europäischen Schutzgebieten». Der WWF fordert daher die spanische Regierung auf, die Baggerpläne im Guadalquivir Fluss zu annullieren, alle illegalen Brunnen und illegal bebauten Landwirtschaftsflächen aufzuheben und Rohstoffgewinnung und Gasanlagen zu verbieten. Spanien muss das Wasser der Doñana korrekt managen, so dass es auch in Zukunft einen sozioökonomischen Nutzen für die Region liefert und Lebensraum für Millionen von Zugvögel sein kann. (WWF/mc/pg)

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