Kurt Ritz, professioneller Verwaltungsrat, im Interview

Kurt Ritz, professioneller Verwaltungsrat, im Interview
Kurt Ritz, professioneller Verwaltungsrat

Interview von Karin Bosshard

Moneycab.com: Ende März haben Sie nach mehr als 24 Jahren bei PwC, davon 15 Jahre als Partner, das Unternehmen verlassen und richten sich beruflich neu aus. Für eine Umorientierung braucht es auch immer Mut…

Kurt Ritz: Eine neue berufliche Ausrichtung ist immer mit einem gewissen Mass an Unsicherheit gekoppelt. Daher lohnt es sich dies gründlich zu überlegen und sich nicht spontan in eine solche zu manövrieren. Ich wusste schon seit einiger Zeit, dass ich mich für meine letzten 10-12 Jahre der beruflichen Karriere neu ausrichten wollte. Dazu habe ich auch mit einigen Personen gesprochen, die diesen Schritt schon gemacht haben und von deren Erfahrungen ich profitieren konnte. Die schlussendliche Entscheidung brauchte dann schon noch Mut, da ich auch ohne weiteres noch 4 Jahre bis zur ordentlichen Pension mit 60 Jahren bei PwC hätte bleiben können. Mein Wunsch auch nach 60 noch beruflich aktiv zu sein, hat mich aber dann doch dazu gebracht diesen Schritt in die Selbstständigkeit jetzt zu machen und nicht erst mit 60.

«Eine neue berufliche Ausrichtung ist immer mit einem gewissen Mass an Unsicherheit gekoppelt.» Kurt Ritz, professioneller Verwaltungsrat

Haben Sie sich für Ihre berufliche Neuorientierung an einen Coach gewandt oder waren Sie ganz alleine auf sich gestellt?

Einen Coach habe ich nicht gehabt, aber wie erwähnt standen mir einige Personen zur Seite, die diesen Schritt bereits gemacht haben. Einige davon haben diesen Schritt aber erst nach ihrer ordentlichen Pensionierung gemacht und diese haben mir alle dazu geraten den Schritt jetzt mit Mitte Fünfzig zu machen und nicht erst mit 60. Diese haben mit auch gute Tipps für den Start mitgegeben, wie zum Beispiel nicht mit zu vielen Mandaten zu beginnen und sich auch für die Zukunft noch Kapazitäten frei zu halten. Zudem habe ich mich entschieden eine gute neue Basis für diese nächsten 10+ Jahre zu schaffen und den von der HSG in St. Gallen spezifisch für Verwaltungsräte angebotenen Kurs, VR-CAS HSG, zu absolvieren.

Wie lange hat der Prozess der Neuorientierung gedauert?

Als Partner von PwC geht man ca. alle 5-7 Jahre in ein Assessment um die mittelfristigen Ziele neu zu definieren. Dies war bei mir wieder Ende 2016 der Fall. Damals habe ich bereits meine Partner-Kollegen darauf hingewiesen, dass nebst den internen Möglichkeiten die Selbstständigkeit nach Mitte 50 für mich eine Option sei. Ende Sommer 2018 war es dann soweit, dass ich meine Kollegen über die Entscheidung, den Weg ausserhalb von PwC einzuschlagen, informiert habe. Dazwischen lagen die oben erwähnten Gespräche mit bereits aktiven Verwaltungsräten und selbstverständlich auch mit meiner Frau, die diese Veränderungen ja auch unterstützen muss.

«Es war für mich schon sehr früh im Prozess klar, dass ich keine operativen oder Management-Aufgaben mehr übernehmen möchte.»

Welche Faktoren waren für Ihre berufliche Neuorientierung besonders relevant?

Ein wichtiger Punkt war die Frage: Was mache ich zwischen 60 und (hoffentlich) 85? Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen rund 25 Jahre – also gerade fast so lange wie ich jetzt bei PwC war – nichts mehr zu arbeiten. Falls es die Gesundheit zulässt, möchte ich bis gegen 70 auch beruflich noch aktiv sein. Selbstverständlich nicht auf dem Niveau der letzten 24 Jahre, aber doch so, dass eine sehr ausgeglichene work-life balance möglich ist.

Es war für mich schon sehr früh im Prozess klar, dass ich keine operativen oder Management-Aufgaben mehr übernehmen möchte. Dies und auch die steten Anfragen für VR-Mandate aus meinem Immobilien-Netzwerk bekräftigten mich in meinem Entscheid in die nun eingeschlagene Richtung zu gehen.

Wie haben Sie sich auf Ihr neues Tätigkeitsfeld vorbereitet?

Wie schon erwähnt, war es für mich klar, dass ich mir noch ein fundiertes Rüstzeug um als VR tätig zu sein aneignen werde. Daher die Ausbildung an der Swiss Board School der HSG. Zudem starte ich jetzt mit nur einigen wenigen Mandaten um auch Zeit zu haben mich in diese neuen Funktionen einzuarbeiten und dann auch für VR Mandate ausserhalb meines angestammten Kerngebietes im Immobilienbereich fit zu sein.

«Die Anfragen der letzten Monate haben mir gezeigt, dass ich mir in den letzten zwei Jahrzehnten ein Netzwerk aufbauen konnte.»

Den 4. April und der 22. Mai haben Sie sich sicher dick in der Agenda eingetragen. Was bedeuten diese zwei Generalversammlungen der Intershop Holding und der Warteck Invest für Sie konkret?

Nur schon all die Anfragen der letzten Monate haben mir gezeigt, dass ich mir in den letzten zwei Jahrzehnten ein Netzwerk aufbauen konnte, dass mich jetzt auch in neuen Funktionen vorstellen kann und mir diese Gelegenheit auch bietet. Daher sind die anstehenden Generalversammlungen, sofern die Aktionäre auch zustimmen werden, sicherlich auch nochmals eine Bestätigung meines erfolgreichen beruflichen Werdeganges.

Gehen wir davon aus, dass Sie als Verwaltungsrat gewählt werden. Bei der Intershop Holding AG gibt es im Verwaltungsrat ein Wiedersehen mit zwei weiteren Branchengrössen – Dieter Marmet und Ernst Schaufelberger. Welche Ziele werden «the big three» verfolgen?

Da ich noch nicht mal gewählt bin, möchte ich zu allfälligen Zielen der Verwaltungsräte keine Meinung abgeben. Dies werden wir dann sicher besprechen sobald ich Teil des Gremiums sein werde.

Der Verwaltungsrat der Warteck Invest AG besteht aktuell aus zwei Juristen und einem Ökonomen. Wie wichtig sind Ihre persönlichen Kontakte für das Unternehmen?

Bei der Warteck Invest kann ich mein Immobilien Know-How in den VR einbringen und sicher sind die persönlichen Kontakte, also das persönliche Netzwerk, für alle Firmen und den VR von Vorteil.

«Bei Firmen, die man weniger gut kennt ist es unabdingbar, dass man sich mit der Gesellschaft selber sehr gut auseinandersetzt.»

Bevor man ein Mandat annimmt, sollten einige Abklärungen getroffen werden. Welche Informationen haben Sie bei den beiden genannten Unternehmungen eingeholt?

Für mich war und ist es natürlich ein Vorteil, dass ich beide Firmen schon fast 20 Jahre kenne. Wir hatten immer wieder miteinander zu tun und ich kenne auch schon die meisten der VR-Kollegen seit vielen Jahren. Für diese beiden Mandate musste ich also nicht sehr viele Informationen einholen um zu einem positiven Entscheid zu kommen.

Bei Firmen, die man weniger gut kennt ist es natürlich unabdingbar, dass man sich mit der Gesellschaft selber sehr gut auseinandersetzt, z.B. mittels Geschäftsberichten und weiteren Informationsquellen, die Personen im VR kennenlernt und sich eine Zusammenarbeit auch sehr gut vorstellen kann. Selbstverständlich kann man aber nie alles vorab schon in Erfahrung bringen und dies ist ja auch ein spannender Teil in solch neue Strukturen zu kommen und sich dort einbringen zu können.

Haben Sie abschliessend persönliche Tipps für VR-Einsteiger?

Man sollte sich sehr bewusst sein auf was und auf wen man sich als VR einlässt. Die Zeiten, in denen ein VR-Mandat ein «bezahltes Hobby» ist, sind definitiv vorbei. Die gestiegene Professionalisierung und auch die immer stärker eingeforderte Verantwortlichkeit des Verwaltungsrates bedingt ein hohes Mass an persönlichem Engagement und auch den Willen einzugreifen, falls etwas einmal nicht so läuft wie es gemäss den allgemeinen Grundsätzen und auch den eigenen Ansprüchen sein sollte.

Zum Gesprächspartner:
Nach einem Architektur- und Volkswirtschaftsstudium kam Kurt Ritz 1995 zu PwC und hat in den Folgejahren das Real Estate Advisory Team aufgebaut und geleitet. Mit seinem Team hat er unzählige Bewertungs-, Transaktions- und Beratungsmandate im Immobilienbereich ausgeführt. 2004 wurde er zum Partner ernannt. Von 2010 bis 2013 war er zudem Leiter der Zürcher Geschäftsstelle, ab 2013 Leiter des Deals-Teams und somit Mitglied des Leadership-Teams des Beratungsgeschäftes von PwC Schweiz. Seit 2013 war er auch Mitglied des Swiss Oversight Boards von PwC Schweiz.

Kurt Ritz war als Dozent am CUREM, an der HWZ sowie am IFZ tätig. Auch als Redner, Panelist oder als Moderator war er an vielen Immobilien-Events aktiv. Nebst sehr vielen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen war er auch als Co-Autor der ersten beiden Auflagen der «Swiss Valuation Standards» tätig. Von 2007 bis 2010 war er zudem Chairman der Royal Institution of Chartered Surveyors in der Schweiz.

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