IHAG-Kommentar: Griechenland im Fokus

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Der weitere Verlauf um das Schuldenpoker der Griechen stand diese Woche im Fokus. Nach einem Sell-Off am Dienstag, löste ein Tag später eine Aussage aus griechischen Kreisen, wonach ein Durchbruch bei den Verhandlungen anstehe, einen Rebound aus. Von Deutschland und dem IWF wurde dies aber dementiert, was zu Abgaben führte. Insgesamt verlor der DAX über die Woche 3.4%, der Stoxx 50 2.1% und der S&P 500 0.9%. Der SMI war wegen Nestlé und den beiden Pharmawerten etwas besser unterwegs als Europa und gab 1.2% nach.

Sicherheit war wieder etwas gefragt und die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken in den USA 10 Basispunkte auf 2.09%. Ein ähnliches Bild in Deutschland, wo die Renditen von 0.60% auf 0.49% zurückkamen. In der Schweiz sanken die Zehnjährigen wieder unter die Null-Linie auf -0.06%.

Der Linksrutsch in Südeuropa, die Griechenlandkrise und eine mögliche Leitzinswende in den USA doch noch dieses Jahr liessen den EUR zum USD bis am Mittwoch auf fast 1.08 sinken. Danach kam es zu einer Erholung bis gegen 1.095. Der EUR kam zum CHF ebenfalls leicht unter Druck und verlor über die Woche 0.5 Rappen auf 1.033. Dagegen setzte der USD zum CHF zu einer Erholung an, welche bis am Mittwoch gegen 95.5 Rappen führte, wo die Kraft nachliess. Am Freitag schloss der USD bei 94 Rappen.

Erstarkter Dollar drückt auf Ölpreis
Gold war nicht gesucht. Die Unze gab über die Woche 1% nach und fiel unter die Marke von USD 1200 auf USD 1190. Der Brent-Ölpreis sank wieder unter USD 64 pro Fass. Auf den Preis gedrückt hat eine Meldung des Öldienstleisters Baker Hughes, wonach die Anzahl aktiver Bohrlöcher in den USA in der vergangenen Woche konstant blieb. Zuvor wurde von spürbaren Schliessungen berichtet. Damit scheinen die Saudis weniger Konkurrenten aus dem Markt drängen zu können, als geplant, weil auch die Kosten in den USA gesenkt werden konnten. Auch der erstarkte USD drückte auf den Fasspreis.

Im Schuldenstreit um Griechenland dämpften Spitzenvertreter der Geldgeber Hoffnungen, dass eine Einigung greifbar sei. Die Blicke waren auf Dresden gerichtet, wo sich die Finanzminister und Notenbanker der weltgrössten Industrienationen (G-7) berieten. Allerdings kam zur Griechenlandfrage übers Wochenende nichts Neues heraus und die Verhandlungen laufen weiter.

S&P 500 geht der Schnauf aus
Die latente Unsicherheit um Griechenland sowie ein sinkender Transport Index in den USA wurden als Grund für die markanten Kursrückgänge der letzten Handelstage ins Feld geführt. Damit ist dem S&P 500 in den USA doch der Schnauf ausgegangen und der DAX hat charttechnisch ein „opening gap“ vom 19. Mai wieder geschlossen. Der Bulle sieht den kurzen Rücksetzer als einen neuen Anlauf holen. Immerhin, der oft mit Skepsis bedachte Monat Mai brachte einen gehaltenen DAX sowie einen leicht gestiegen SMI und S&P 500. Als Nebenschauplatz kam es an den hochgeschossenen Börsen in China zu volatilen Korrekturen, mit einem Rückschlag von 6.5% am Donnerstag in Shanghai. Nach eine Plus von fast 50% trotz sich abschwächendem Wachstum war dies aber nicht verwunderlich. Es scheint, dass in China sehr viele Neuanleger die Börsen als Spekulationsobjekt entdeckt haben.

Diese Woche wird am Mittwoch die EZB Ratssitzung von Interesse sein. Es werden wenig News erwartet, aber die flexible Umsetzung des Wertpapierkaufs im Sommer wird wohl erörtert werden. Am Freitag steht der Arbeitsmarktbericht in den USA im Vordergrund. Erwartet wird eine Fortsetzung der Meldung neuer Stellen wie im Vormonat. Ein zu guter Bericht würde wohl negativ von der Börse aufgenommen, denn die daraus abgeleitete, baldige Zinserhöhung würde negativer interpretiert werden, als die bessere Konjunktur. Momentan befinden sich die Börse in einer abwartenden Haltung. In den USA notierte der S&P 500 zwar am 21. Mai auf dem Allzeithöchst, aber es fehlt die Kraft für weiteren Schwung nach oben. In Europa notieren die Börsen in der Mitte zwischen dem Höchst vom April und dem Tief von Anfang Mai. Der Ausverkauf zum Monatsende am Freitag war wohl etwas übertrieben und der Start in den neuen Monat dürfte an den Börsen positiv beginnen.

Boom and Bust bei Immobilienaktien
Es gibt Aktien, welche überverkauft erscheinen und ein Zukauf überlegt werden kann. Darunter Swatch, welche diesen Montag ex Dividende gehandelt wurden und damit in die Nähe der Tiefstkurse von Ende Januar fallen. Die Uhrenverkäufe boomen zwar nicht, aber dennoch werden in Europa und auch den USA mehr Uhren als im letzten Jahr gekauft, teils auch von chinesischen Touristen. Der Gewinn sollte etwa gehalten werden, womit die Aktie zu einem P/E 2015 von nur 15x bewertet ist. Boom and Bust erlebten dieses Jahr Immobilienaktien, welche als Dividendenperlen zu Beginn gesucht wurden, dann aber parallel mit den Bonds wieder unter die Räder kamen. Der Immobilienmarkt und die Erträge daraus bleiben in der Schweiz stabil. Damit können die hohen Dividenden klar gehalten werden und der Kursrückgang der letzten Wochen bietet eine Zukaufgelegenheit. Wir haben hier SPS auf der Aktienliste, welche im Rahmen der Kapitalerhöhung zusätzlich unter Druck war. Die interessante Investitions-Pipeline, für welche die Kapitalerhöhung aufgelegt wurde, sowie die Diversifikation in mehr Service um Immobilien bergen gutes Gewinnpotential bei SPS.

Bei Roche kamen an der ASCO-Konferenz positive Daten zu deren Kerbsmedikamente heraus, v.a. auch im Vergleich zur Konkurrenz. Damit könnte Roche GS nun den Wiederstand bei CHF 283 knacken und gegen CHF 300 steigen. In einem guten Aufwärtstrend befindet sich Lonza (siehe Bericht auf Seite 5). Nach einem Unternehmenskontakt kamen wir zur Ansicht, dass der Konzernumbau voran kommt und weitere Gewinnsteigerungen bringen dürfte. (IHAG/frp/mc/ps)

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