Stadler Rail schnappt sich Riesen-Auftrag der SBB

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Die ersten der neuen Züge von Stadler dürften Ende 2025 fahren, die letzten neun Jahre später in Betrieb genommen werden. (SBB)

Bern – Die SBB und zwei ihrer Tochterfirmen bestellen beim Thurgauer Zugbauer Stadler Rail für zwei Milliarden Franken 286 neue Züge für den Regionalverkehr. Die ersten davon sollen ab Ende 2025 in der Ostschweiz zum Einsatz kommen. Der Auftrag ist einer der grössten, den die SBB jemals vergeben haben.

SBB-Chef Vincent Ducrot begründete die Beschaffung der einstöckigen Triebzüge des Typs Flirt am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern insbesondere mit dem Ersatz von bestehendem Rollmaterial. Bis 2035 kämen zahlreiche Züge der SBB, ihrer Ostschweizer Tochter Thurbo sowie der Walliser Regionalps ans Ende ihrer Lebensdauer.

Der SBB-Chef schlug zugleich den Bogen zur Corona-Pandemie. «Wir glauben, dass die Kunden zurückkommen», sagte Ducrot. Der Regionalverkehr sei jener Bereich, in dem dies zuerst geschehe. Dafür müssten die SBB bereit sein.

Nebst Stadler Rail mit Hauptsitz in Bussnang TG hatten auch der französische Konkurrent Alstom und den deutsche Siemens-Konzern Offerten eingereicht. Lanciert worden war die Ausschreibung im Mai 2020. Es folgt nun noch eine zwanzigtägige Beschwerdephase. Während dieser können die unterlegenen Anbieter den Entscheid anfechten.

Sieben Millionen Franken pro Zug
Der Preis für einen einzelnen neuen Flirt-Zug beträgt laut Angaben der SBB rund sieben Millionen Franken. Zu den Preisen, die Alstom und Siemens offerierten, machte das Unternehmen keine Angaben.

Die neuen Züge basierten auf bewährten «Plattformen» und seien keine Neuentwicklungen, betonte Ducrot an der Medienkonferenz weiter. Linus Looser, Leiter Produktion Personenverkehr bei den SBB, begründete den Entscheid für Stadler Rail insbesondere damit, dass dadurch tiefere Betriebskosten entstünden als bei den von Siemens und Alstom offerierten Lösungen.

Der Grossauftrag bringt laut SBB auch eine Vereinheitlichung beim Rollmaterial. Eine grosse Menge gleicher Züge ermögliche einen flexibleren Betrieb und tiefere Kosten beim Unterhalt, erklärte Looser.

Ursprünglich hatten SBB, Thurbo und Regionalps 194 Züge ausgeschrieben, später wurde die Zahl auf 286 erhöht. Die SBB will bis 2035 155 Züge ersetzen, Thurbo 107 und Regionalps 24. Zudem bestehen Optionen für insgesamt weitere 224 Fahrzeuge.

Die ersten der neuen Züge dürften den Angaben zufolge Ende 2025 fahren, die letzten neun Jahre später, im Jahr 2034, in Betrieb genommen werden.

Herstellung erfolgt im Thurgau
Die Neubeschaffung stellt gemäss SBB auch sicher, dass der von Bund und Kantonen geplante Ausbau des Bahnangebots umgesetzt werden kann. Es handle sich um eine wichtige Investition in die Zukunft, betonte Ducrot. Es entspreche der Strategie der SBB, Züge nach einer Betriebsdauer von 25 Jahren zu ersetzen. Bei einer längeren Betriebsdauer träten vermehrt technische Probleme auf.

Die neuen Züge werden gemäss einer Mitteilung von Stadler Rail komplett im Thurgau hergestellt. Der Schweizer Wertschöpfungsanteil beträgt demnach gegen 75 Prozent.

Stadler Rail konnte gute Nachrichten gebrauchen. Im Vormonat war bekannt worden, dass der Firma in Österreich wegen eines Formfehlers bei einer dort nicht anerkannten digitalen Signatur ein 3-Milliarden-Auftrag durch die Lappen gegangen war.

Die Anlegerinnen und Anleger reagierten am Dienstag positiv auf die Neuigkeiten bei Stadler. Direkt nach Bekanntgabe des Vergabeentscheids stieg der Kurs der Aktien am Dienstagmittag um rund sechs Prozent. Letztlich gingen die Papiere mit einem Plus von 5,10 Prozent bei 39,54 Franken aus dem Handel. (awp/mc/pg)

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