Angestellte Schweiz: Frankenschock reduziert Stellenangebot deutlich

Von moneycab - 10:45

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Arbeitslosigkeit

(Foto: PHOTOPRESS/Martin Ruetschi)

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Olten – Seit der Freigabe des Frankenkurses durch die Schweizerische Nationalbank vor einem Jahr ist die Zahl der offenen Stellen um 2,3 Prozent zurückgegangen. Im letzten Quartal des Jahres 2014 wurden gemäss x28 AG, der Betreiberin der Jobsuchmaschine jobagent.ch, noch 97 400 offene Stellen gezählt, ein Jahr später nur noch 95 100. Zum Vergleich: Von Ende 2012 bis Ende 2014 hatte der Zuwachs 15 Prozent betragen (von 84 600 auf 97 400 Jobangebote). Besonders augenfällig ist der Rückgang Jobangebote in der Industrie.  

Um die Auswirkungen des Frankenschocks auf den Arbeitsmarkt zu überprüfen, haben sich Angestellte Schweiz und die auf die Auswertung öffentlich zugänglicher Stellenangebote spezialisierte x28 AG zusammengetan und den Basler Konjunkturforscher Christoph Koellreuter mit einer Analyse der erfassten Daten beauftragt. Koellreuter kommt zum Schluss, dass seit der Freigabe des Wechselkurses „eine markante Trendumkehr stattgefunden hat“. Dies trifft vor allem für die Stellenangebote der Industrie zu. Diese haben zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem letzten Quartal 2015 um elf Prozent abgenommen, wobei der Fahrzeugbau (- 20 %), die weit gefasste Industriegruppe Maschinen und Metall (- 18 %) sowie die Uhren- und Schmuckindustrie (- 13 %) am stärksten rückläufig waren. Die grosse Ausnahme in der Exportindustrie ist die Pharma-Branche (inkl. Chemie), die das Stellenangebot im letzten Jahr um 8 Prozent ausweiten konnte.

Unerwartet solider Tourismus  
Überraschenderweise verzeichnen die exportorientierten Dienstleistungsbranchen (Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Grosshandel, Forschung und Tourismus/Hotellerie/Gastgewerbe) ebenfalls eine Zunahme der offenen Stellen um 11 Prozent. Gesamthaft hat sich das Jobangebot in diesen Branchen in den letzten drei Jahren um 38 % erhöht. Erstaunlich ist die Zunahme der Jobangebote in der Branche Tourismus/Hotellerie/Gastgewerbe um 27 % seit dem vierten Quartal 2014, da sie besonders unter dem Frankenschock zu leiden hat. Schätzungsweise ein Drittel der Zunahme sind jedoch dem „Einsteigereffekt“ zuzuschreiben, also dem Umstand, dass diese Branche in Sachen Internet Nachholbedarf hat. Ebenfalls um 11 % haben die offenen Stellen seit dem vierten Quartal 2014 bei den Finanzdienstleistern zugenommen, was für eine Erholung des Finanzsektors sprechen würde. Bezogen auf die Firmengrösse zeigt sich, dass Klein- und Mittelunternehmen (KMU’s) stärker unter Druck sind als Grossunternehmen mit über 1000 Beschäftigten. Die vier grossen „Global Players“ (Novartis, Roche, CS und UBS) verzeichneten sogar einen Zuwachs der Stellenangebote um 39 %.

Hauptleidtragende ist die Industrie
Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz, vermutet, dass die Nationalbank mit der Freigabe des Frankenkurses „die eigene Klientel im Auge hatte, aber nicht die Wirtschaft als Ganzes“. Die am Mittwoch bekanntgegebene Massenentlassung bei Alstom zeigt, „dass uns in Bezug auf den Verlust von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie das Schlimmste noch bevorsteht“. Statt in die Zukunft, also in Bildung und Forschung zu investieren, sähen sich viele Firmen gezwungen, zu sparen und Arbeitsplätze zu verlagern oder abzubauen. „Diese Entwicklung ist verhängnisvoll“, sagt Studer, „weil dadurch die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie geschwächt wird“. Statt nur auf die Rendite zu schauen, fordert er die Firmen im Hinblick auf die digitale Revolution zu mehr Mut und Risikobereitschaft auf und antizyklisch zu handeln. (Angestellte Schweiz/mc/ps)

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