Claudia Winkler, Co-Founder und CEO Lionstep, im Interview

Claudia Winkler
Claudia Winkler, Co-Founder und CEO Lionstep. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Frau Winkler, Lionstep unterstützt seine Kunden beim Rekrutieren von Fachkräften. Das tun viele andere Firmen auch, was macht Lionstep anders – oder besser?

Claudia Winkler: Im Unterschied zu den meisten Personalvermittlern setzen wir sehr viel Technologie ein und haben damit viele Prozesse digitalisiert. Das verändert einiges. Der Suchprozess wird beschleunigt – wir finden die Kandidaten schneller. Zweitens schaffen wir Transparenz durch das digitale Abbilden aller Prozesse. Unsere Kunden sehen jederzeit, welche Kandidaten sich in den einzelnen Prozesses-Schritten befinden. Dies gilt auch für die Kandidaten-Seite. Und drittens haben wir in Kombination mit der Technologie eine globale Präsenz und können im Handumdrehen grenzüberschreitend suchen. Dies ist für lokale Vermittler oft nicht möglich.

Ist in Zeiten, in denen jede Information sofort erhältlich ist, auch für Recruiter und Stellensuchende die Geschwindigkeit das Mass aller Dinge?

Für unsere Kunden ist Geschwindigkeit, Transparenz und Qualität enorm wichtig. Wir setzen Technologie überall da ein, wo wir diese Punkte verbessern können. Dies fängt beim Erheben der Profile im Internet an, geht über das schnelle Matching der Profile zur Vakanz und hört bei der intelligenten Verteilung der Kandidaten-Anfragen an unsere Rekrutierungs-Experten auf. Unsere Kunden kommen in der Regel mit akuten Suchanfragen zu uns. Oft haben Sie es schon einige Wochen über gängige Suchkanäle probiert. Für uns heisst es nun, schnell und ohne grossen Zusatzaufwand für den Kunden, zu arbeiten.

„Für unsere Kunden ist Geschwindigkeit, Transparenz und Qualität enorm wichtig.“
Claudia Winkler, CEO Lionstep

Aus hunderten Millionen öffentlich zugänglichen Profilen filtert Lionstep für ein Unternehmen geeignete Kandidaten aus dem Internet. Wie funktioniert das?

Die grösste Einschränkung klassischer Personalvermittler ist ein beschränktes Netzwerk an Kandidaten, von dem nur ein Bruchteil aktiv suchend ist. Smarter ist es, die globale Fülle passender Kandidaten zu nutzen und diese auf dem optimalen Weg anzusprechen. Finden tun wir Sie über die klassischen und fachspezifischen Foren und Plattformen. Verschiedene Tools geben uns so die Möglichkeit auf eine sehr grosse Menge an Profilen zurückgreifen zu können. Zum individuellen Datenschutz werden diese anonym angezeigt.

Was passiert, nachdem eine erste Auswahl möglicher Kandidatinnen und Kandidaten gemacht wurde?

Unsere Kunden können nun Lionstep als Plattform oder als Service nutzen. Auf der Plattform kann der Kunde selber seine favorisierten Kandidaten suchen. Sobald er die gefunden hat, aktiviert er unsere Anspracheprozesse mit unseren Recruting-Spezialisten. Wenn der Kunde aber keine Zeit für diese zeitintensive Kandidatensuche hat, bieten wir den vollen Service mit Suche und Auswahl durch unsere Experten an. Der Kunde erhält im Normalfall innert kürzester Zeit das erste Feedback, welches auch vollautomatisch in unser Tool zurückgespielt und für den Kunden ersichtlich wird. Die Automatisierung eines grossen Teils des Prozesses macht uns somit genauer, schneller und transparenter – und für unsere Kunden damit besser und günstiger.

Wie nutzen Sie künstliche Intelligenz?

Lionstep lernt aus dem Verhalten unserer Kunden und passt sich über die Zeit an. Dies resultiert in verbesserten Such- und matching Resultaten.

Läuft alles digital, oder kommt aber einem gewissen Punkt dann doch der Mensch ins Spiel?

Wir haben mit unserer automatisierten Erhebung von anonymen Profilen das aktive Suchen automatisiert und ermöglichen unseren Kunden hiermit den Zugriff auf einen sehr grossen, grenzüberschreitenden Talentpool. Ebenfalls automatisiert ist das Matching zwischen einer Vakanz und dem Talentpool. Im Handumdrehen erhält man eine umfassende Liste von passenden Profilen. Die Kommunikation mit den Kandidaten erfolgt jedoch mehrheitlich über unsere internen Recruiting-Spezialisten, da der Mensch hier noch lange besser und schneller sein wird.

„Wir haben mit unserer automatisierten Erhebung von anonymen Profilen das aktive Suchen automatisiert und ermöglichen unseren Kunden hiermit den Zugriff auf einen sehr grossen, grenzüberschreitenden Talentpool.“ 

Was passiert, wenn einer Ihrer Kunden am Kandidaten X interessiert ist?

Vor der Zusammenführung des interessierten, favorisierten Kandidaten und unserem Kunden, wird ein Pre-Screening Gespräch mit dem Kandidaten durchgeführt. Erfüllt der Kandidat alle vom Kunden genannten Kriterien und ist bereit, seine Dokumente zu teilen, erhält unser Kunde eine Nachricht mit dem Link zum persönlichen Profil des Kandidaten im Kunden-Account. Der Kandidatenkontakt liegt nun in den Händen unserer Kunden. Für uns ist der Prozess soweit abgeschlossen. Ob die erfolgreiche Vermittlung zu einem Abschluss kommt ist von persönlichen Faktoren, der Unternehmenskultur und manchmal auch von Sympathie abhängig, die nur die betroffenen Personen erkennen und bewerten können.

Im Gegensatz zu Ländern kennt das Internet keine Grenzen. In welchen geografischen Märkten ist Lionstep bis jetzt anzutreffen?

Lionstep unterstützt Kunden in der Schweiz, in Deutschland und in Spanien. Die Kandidaten kommen aus ganz Europa.

Der Fachkräftemangel zeigt sich in verschiedenen Bereichen wie der Informatik oder dem Ingenieurswesen besonders. Sind dies auch Segmente, wo die Unterstützung von Lionstep besonders gefragt ist?

Absolut. Aufgrund des Nachfrageüberhangs in diesen Bereichen findet man nur schwer und langsam die passenden Profile. Viele Unternehmen suchen ausserdem sehr spezifische Profile. Dies erschwert die Suche zusätzlich. Da es kaum aktive Jobsuchende gibt, geht der Trend eindeutig zum aktiven Abwerben von Kandidaten. Diese zeitintensive Arbeit übernimmt Lionstep für seine Kunden. Mittlerweile unterstützen wir aber unsere rund 200 Kunden in (fast) allen Segmenten. Viele schätzen den unkomplizierten, transparenten Austausch über die Lionstep-Plattform und das hohe Motivations-Level der Lionstep-Kandidaten.

Gehören auch Personalvermittler selbst – also eigentlich ja Ihre Konkurrenz – zu den Lionstep-Kunden?

Ja, wir arbeiten auch für andere, ausgewählte Personalvermittler. Heikel ist hierbei der richtige Umgang mit dem Kandidaten, da dieser einen transparenten Prozess verlangt. Mit allen Personalvermittlern haben wir deshalb eine partnerschaftliche Beziehung, da wir den Kandidaten den bestmöglichsten Prozess bieten wollen. Dazu braucht es eine enge Kommunikation.

Im September hat Lionstep seine Plattform für Drittanbieter geöffnet. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Unsere Kunden haben jetzt auch Zugriff auf kleine Talent-Pools spezialisierter und ausgewählter ICT-Vermittler. Anders als bei Lionstep sind alle Talente der Drittanbieter auf aktiver Jobsuche und können somit eventuell schneller mit der Arbeit beginnen.

Welches sind die nächsten Ziele von Lionstep?

Lionstep ist im letzten Jahr schnell gewachsen, was uns natürlich sehr erfreut. Die nächsten Ziele sind die Erschliessung weiterer europäischer Märkte und das stetige Optimieren unserer Services. Die Wertschöpfung für Kunde und Kandidat stehen immer im Lionstep-Zentrum.

Frau Winkler, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Vor der Gründung von Lionstep 2016 sammelte Claudia Winkler Erfahrungen in PR & Kommunikation, Strategie-Beratung und 4 Jahre im Private Equity-Bereich. Sie besitzt einen Master-Abschluss in Management & Ökonomie der Universität Zürich und pflegt weiterhin einen aktiven Austausch mit verschiedenen Spin-offs und Forschungseinrichtungen der UZH und ETH. Claudia Winkler ist auch als Coach für das Schweizer Start-Up Accelerator-Programm Venturelab tätig.

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