Maskenlogik: Hat man keine, nützen sie nichts, hat man zu viele, sind sie unverzichtbar

Schutzmasken
(Photo by Ross Sneddon on Unsplash)

Das BAG und Gesundheitsexperten kämpfen gegen die Geister, welche sie zu Beginn der Coronakrise riefen. Mit unerwarteter Nachhaltigkeit trichterten sie der Bevölkerung ein, dass Masken im Kampf gegen das Virus für NormalbürgerInnen völlig nutzlos seien. Dies vor allem, weil schlicht viel zu wenige Masken verfügbar waren. Heute propagieren dieselben Stellen mit gleicher Glaubwürdigkeit und Wissenschaftlichkeit, dass Masken unverzichtbar seien im Kampf gegen das Virus.

Von Helmuth Fuchs

Dieselbe Kehrtwendung vollzogen auch das Robert Koch-Institut (RKI und die WHO (World Health Organisation). Anhand der Masken zeigt sich exemplarisch, wie schwierig es ist, auf einem Gebiet mit wenig Erfahrung und sich schnell ändernden Erkenntnissen unter Berufung auf die Wissenschaft die Bevölkerung nicht zu verunsichern.

Der Bundesrat und der damals zuständige BAG-Experte Daniel Koch haben das erkannt und jeweils die in den Augen Vieler zu zögerlichen Massnahmen damit begründet, dass die Bevölkerung Massnahmen nur mittragen würde, wenn diese verständlich und in den Augen der Bevölkerung sinnvoll seien. Noch radikaler gingen Anders Tegnell und die schwedische Regierung vor, die nur Massnahmen einführten, die sich auch über lange Zeit (Monate bis Jahre) durchziehen lassen würden.

DIE Wissenschaft gibt es genau so wenig, wie DEN Experten
Das heisst aber, dass die Wissenschaft, wie das immer wieder gefordert wird, als alleinige Entscheidungsgrundlage für solche Verordnungen eher ungeeignet ist, da sich in dieser Krise

  • Erkenntnisse zum neuen Virus schnell ändern und sich vorherige Sichten als falsch erweisen können
  • WissenschafterInnen in der Interpretation derselben Fakten oft uneinig sind
  • ExpertInnen meist nur um einen kleinen Aspekt eines komplexen Gebietes wissenschaftlich kümmern können

Die Politik versucht dann, die vielen sehr unterschiedlichen Aspekte der Wirtschaft, der Wissenschaft, des sozialen Zusammenlebens, der Kultur zu einem politisch umsetzbaren Vorgehen zusammen zu fassen und dann zu entscheiden, was verbindlich gemacht werden und was der Eigenverantwortung überlassen werden soll, was auf nationaler, was auf kantonaler Ebene geregelt werden muss.

„Neutrale“ und unabhängige SRG?
Als wären dies nicht schon genügend Zutaten für eine schrille Kakophonie, kocht die Presse daraus nochmals ein eigenes Süppchen. Hier exemplarisch der Beitrag von SRF zum Thema der Maske (Tagesschau vom Montag 5. Oktober, welche die Reportage der Sendung PULS zusammenfasst):

Die Erfahrungen mit Nebenwirkungen des Maskentragens bei Verkäuferinnen werden auf Kopfschmerzen reduziert (andere Beschwerden wie schnellere Müdigkeit, Schwindel, Atembeschwerden werden nicht weiter adressiert).

Martin Brutsche, Chefarzt des Lungenzentrums im Kantonsspital St. Gallen, sieht kein Problem: «Sauerstoff geht problemlos durch und das CO2 kann durch die Maske auch problemlos wieder ausgeatmet werden. Daher besteht kein gesundheitliches Risiko.»

Simon Annaheim, Bewegungswissenschafter EMPA St. Gallen konstatiert eine gewisse Einschränkung beim Atmen mit Maske unter Belastung, da die Maske beim Atmen einen Widerstand darstellt: «Die körperliche Fitness spielt eine grosse Rolle.»

Da es beim Maskentragen vermehrt zu Hautirritationen und Pickel kommt, wird der Dermatologe Piotr Michel nach seiner Meinung gefragt: «Die Haut kann nicht so gut atmen, es feuchtet, da kumulieren sich mehrere Bakterien, und die Bakterien können die Talgdrüsen besiedeln und das verursacht die Entzündung.»

Die nächstliegende Frage wäre gewesen, ob nebst den Bakterien nicht auch Viren dieses Feuchtbiotop vermehrt besiedeln können und so zu einem zusätzlichen gesundheitlichen Risiko werden.

Stattdessen die schnelle Zusammenfassung des Journalisten: «Kosmetisch und für den Komfort also kann die Maske zum Problem werden, für die Gesundheit ist sie es nicht.» Und die Moderatorin gibt auch noch gleich ihre Meinung kund: «An den Risiken um Masken ist also nicht viel dran.»

Da das Thema in der Bevölkerung weiterhin für viele Diskussionen sorgt, fasst SRF am Sonntag das Ganze nochmals in einem Artikel zusammen: Ungeliebter Corona-Schutz-«Die Maske lässt Sauerstoff und CO2 problemlos passieren» Dabei lässt man den scheinbar unliebsamen Dermatologen, der reale Schäden durch Masken aufzeigt, gleich weg und fügt stattdessen einen Kasten ein mit dem Tipp, bei Hautbeschwerden einfach Medikamente und Salben mit Antibiotika zu nehmen. Auch hier nichts von Viren, die sich im Feuchtklima ebenfalls festsetzen könnten. Wie schon beim Virus allgemein, versucht man ein komplexes Thema auf möglichst einen einzelnen Wert zu reduzieren („Fälle (positive Getestete), „Sauerstoff“) und blendet missliebige Meinungen und Erfahrungen aus.

Wie das zur aktuellen Werbekampagne der SRG passt (unabhängig, glaubwürdig, vielfältig)?

Vom Nichtsnutz zum Retter
Inzwischen hat der Bund die prekäre Maskenlage zu Beginn der Pandemie behoben, sich für 560 Millionen Franken Masken beschafft (für 500 Millionen Franken in China), mit Abnahmegarantien und Kauf von Maschinen dafür gesorgt, dass Masken jetzt auch in der Schweiz hergestellt werden können und somit eine eigene Industrie etabliert.

Mit so viel Meinungen, sich ändernden wissenschaftlichen Positionen und offensichtlichen wirtschaftlichen Verstrickungen bleibt es dem gesunden Menschenverstand des Einzelnen überlassen, wo er den Einsatz einer Maske ausserhalb der zunehmenden Vorschriften (ÖV, öffentliche Gebäude, Läden…) für sinnvoll erachtet.

Im Lichte der zunehmenden Anzahl der positiv Getesteten und mit Blick auf das Ausland greifen immer mehr Kantone zur Verschärfung von Maskenvorschriften im öffentlichen Raum. Von einem für die Gesundheit nutzlosen Beiwerk hat sich die Maske in Kürze zum scheinbar fast alleinigen Heilmittel zur Eindämmung des Coronakrise entwickelt. Wie so oft läge die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte: Abstand, Hygiene, Vermeidung von Menschenmassen, Maske nur dort, wo der Abstand über längere Zeit in dichten Menschenmassen nicht einzuhalten ist.


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